Freitag, 3. Februar 2017

Bonn - Beethoven - Bellman

Heute beginnt das Jahrestreffen der Deutschen Bellman-Gesellschaft, das zum ersten mal in Bonn stattfindet.
Website der Dt. Bellman-Gesellschaft 

Zur Einstimmung Bellmans Wiegenlied in einem Satz von Ludwig van Beethoven:
Anhören auf Youtoube

Die Noten sind erschienen in:
Neues Volksliederheft für Singstimme und Klaviertrio aus: Lieder verschiedener Völker. WoO 158. Verlag Breitkopf & Härtel, 1940. 

Weiter Informationen s.a. Blog vom 26. August 2016

Freitag, 27. Januar 2017

Zuckmayers Bellman-Theaterstück


1938 mündete Carl Zuckmayers Begeisterung für Bellman in sein Theaterstück „Carl Michael Bellman“. Es sollte in Wien, im Theater in der Josefstadt, uraufgeführt werden. Am 11. März 1938 fand eine erste Probe statt – mit Schauspielern wie Paula Wessely, Attila Hörbiger, Anton Edthofer und Ernst Lothar als Regisseur.
Weitere Proben und eine Aufführung sollte es in Wien nicht geben, da in der Nacht darauf die Ereignisse ihren Lauf nahmen, die unter dem Begriff „Anschluss Österreichs“ in die Geschichte eingegangen sind. Lothar, der auch Direktor des Theaters war, wurde zum Rücktritt gezwungen; Zuckmayer floh ein paar Tage später in die Schweiz.

Im November 1938 hatte das Bellman-Stück schließlich seine Uraufführung im Zürcher Schauspielhaus: am 17.11.1938 unter dem Titel „Musik und Leben des Carl Michael Bellman“.
Am Sonntag vor der Premiere gab es dort zur Einführung eine Matinee, in der der Berner Professor Hans Fehr einen Vortrag über den „Villon des schwedischen Rokoko“ hielt, und Zuckmayer Bellman-Lieder zur Gitarre vortrug.
Marion Wünsche spielte die erste „Ulla Winblad“, Regisseur der Uraufführung war Leopold Lindtberg, Dramaturg Kurt Hirschfeld, Oskar Wälterlin der Theaterdirektor.

1939 emigrierte Zuckmayer in die USA, aber immer wieder beschäftigte er sich gedanklich mit dem Stück. s. nächsten Blog

Schließlich überarbeite er es und benannte es um in „Ulla Winblad oder Musik und Leben des Carl Michael Bellman“. Am 17. Oktober 1953 wurde es mit großem Erfolg im Deutschen Theater in Göttingen unter der Leitung von Heinz Hilpert uraufgeführt. Schauspieler waren u.a. Carl Raddatz als Bellman und Brigitte Horney als Ulla Winblad.

Im selben Jahr wurde auch eine Hörspielfassung des Stückes für das Radio produziert. Mitwirkende waren u.a. Paula Wessely als Ulla (die auch schon in Wien dabei sein sollte), O.E. Hasse als Bellman, Maria Becker (Gräfin Schröderheim), Bum Krüger (Mollberg) und Siegfried Lowitz (Appelstubbe).

Eine starke Nachwirkung hatten das Stück und die Zuckmayerschen Bellman-Übertragungen durch die Veröffentlichung der Schallplatte mit Carl Raddatz. Dieser hatte ja in Göttingen die Figur des Bellman auf der Bühne gespielt und sang die Lieder in einer schauspielerisch geprägten Art. Raddatz‘ Popularität (vor allem durch seine Theater- und Filmarbeit) brachte der Platte eine große Verbreitung.
Auch heute noch sagen viele deutsche Bellman-Freunde, dass diese für sie die erste Berührung mit Bellman war und Grund für ihre Beschäftigung mit dem Dichter und ihre Begeisterung für seine Lieder ist.
Insofern ist es Zuckmayers Verdienst, die Bellman-Rezeption in den deutschsprachigen Ländern in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts wesentlich beeinflusst zu haben.

Noch etwas zum Inhalt des Stückes:
Im Nachwort zu seinem Theaterstück schreibt Zuckmayer, dass seinen Lied-Texten die Übersetzungen von Felix Niedner und Hanns von Gumppenberg zugrunde liegen. Teilweise hat er sie auch „im Sinn Bellmanscher Inhalte völlig neu gestaltet“. Dasselbe kann man wohl auch für die Handlung des Stückes sagen, die von viel dichterischer Freiheit zeugt.

Dienstag, 27. Dezember 2016

Carl Zuckmayer zum 120. Geburtstag


1896 in Nackenheim (Rheinhessen) geboren, wuchs er in Mainz auf, war von 1914 bis 1918 Soldat im ersten Weltkrieg, Ende 1918 Student, zunächst an der Universität Frankfurt am Main, dann in Heidelberg. Jura, Nationalökonomie, Philosophie und Soziologie, Literatur- und Kunstgeschichte, Biologie sind seine Fächer, bis er 1920 sein Studium aufgibt und nach Berlin zieht, wo sein erstes dramatisches Werk („Kreuzweg“) uraufgeführt wird. 1925 gelingt ihm der Durchbruch mit der Komödie „Der fröhliche Weinberg“. Weitere bekannte Werke Zuckmayers sind „Der Hauptmann von Köpenick“, „Schinderhannes“ und „Des Teufels General“. Außerdem stammt das Drehbuch zu dem Film „Der blaue Engel“ von ihm.
Von den Nazis 1933 verboten, lebt und arbeitet er zunächst in Österreich, dann in der Schweiz, bevor er 1939 in die USA emigriert. Ab 1946 ist er wieder regelmäßig in Europa, in Deutschland, lässt sich 1957 dann in der Schweiz nieder, wo er 1977 stirbt.


Wie kam Zuckmayer zu Bellman?
Von Wahlverwandtschaft ist im Klappentext zu seinem Bellman-Theaterstück die Rede …

Während seiner Studentenzeit in Heidelberg wurde Zuckmayer Teil des Kreises um Wilhelm Fraenger, Kunsthistoriker und Direktor des Instituts. Fraenger hatte diese „Gemeinschaft“, wie er es nannte, gegründet, um mit den jungen Leuten, Studenten, und auch Professoren Musikveranstaltungen, Dichterlesungen, Lichtbildervorträge u.v.m. auf die Beine zu stellen.
Die Lieder Carl Michael Bellmans waren hier ein fester Bestandteil des Programms. Hans Fehr, Professor der Rechte aus Muri bei Bern, sang Bellman, Wilhelm Fraenger selbst sang und spielte Bellman auf der Laute und Zuckmayer, der Bellman nach eigenen Angaben schon vorher für sich entdeckt hatte, begleitete sich wie ein Bänkelsänger auf der Gitarre.
In seiner Autobiographie („Als wär’s ein Stück von mir“) berichtet Zuckmayer, wie einmal ein „Bellman-Abend“ vorbereitet und aufgeführt wird. Zusammen mit Fraenger hatte er eine lose Szenenfolge verfasst, die mit Gesang und Tanz, von Laute, Oboe, Cello, Waldhorn begleitet, Szenen aus Bellmans Leben darbot. Die „Gesänge“ und „Episteln“ wurden „werktreu“ wiedergegeben (in Übersetzung von Felix Niedner und Hanns von Gumppenberg vermutlich), während die verbindenden Texte und Szenen eher improvisiert wurden.
Dies gab Zuckmayer wohl auch die Anregung zu seinem Bellman-Theaterstück, das er Jahre später schrieb. – weiteres s. in einem folgenden Blog

Das Pfeifen der ersten Takte von „Weile an dieser Quelle“ diente den Freunden damals und noch lange später als Erkennungszeichen.
Zu diesem Freundeskreis gehörte auch Carlo Mierendorff, den Zuckmayer in Frankfurt kennengelernt hatte. 1941 veröffentlichte dieser unter dem Pseudonym „Carl Willmer“ das Bändchen „Bacchanal im Grünen“ mit Übertragungen von Bellman-Liedern.
s.a. bellman-net.de/bibliografie.html
Mierendorff war engagiertes Mitglied der SPD, fünf Jahre in Konzentrationslagern interniert und wurde 1941 Teil des Kreisauer Kreises. 1943 kam er bei einem Bombenangriff in Leipzig ums Leben.